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Morbus Bechterew 

Allgemeine Informationen

Der Name entstammt dem griechischen „ankylos – gebogen“ und „spondylos – Wirbel“, wobei sich „spondylitis“ auf die Entzündung der Wirbelkörper bezieht. Im Verlauf dieser Erkrankung kann sich eine zunehmende Deformität der Wirbelsäule mit einem Rundrücken („Kyphose“) ausbilden und die Wirbelsäule zunehmend verknöchern. Dieses führt neben einer Bewegungseinschränkung in schweren Fällen zu einer Unfähigkeit geradeaus zu sehen. Die ankylosierende Spondylitis ist eine rheumatische Erkrankung, die eine Häufigkeit (Prävalenz) von ungefähr 0,2% in der Bevölkerung aufweist. Dabei sind zu etwa 70% Männer betroffen, wobei die Erkrankung typischerweise im Alter zwischen 20 und 30 Jahren beginnt. Das Risiko an einem Morbus Bechterew zu erkranken steigt, wenn z.B. ein Elternteil auch an dieser Erkrankung leidet. Personen, die an einem M. Bechterew erkranken weisen deutlich häufiger (ca. 90%) ein spezielles Gen (HLA-B27) auf im Vergleich zur Restbevölkerung (ca. 8%).

Diagnostik

Sollte der behandelnde Arzt den Verdacht auf einen Morbus Bechterew haben, sind neben einer körperlichen Untersuchung auch die Bestimmung von Entzündungswerten im Blut und die Bestimmung von HLA-B27 angezeigt. Des Weiteren werden andere rheumatische Erkrankungen ausgeschlossen. Da die Erkrankung typischerweise in den Gelenken zwischen Kreuzbein und Darmbein (Sakroiliacalgelenke) beginnt, wird auch eine Kernspintomographie oder Computertomographie des Beckens durchgeführt werden, um eine Entzündung dieser Gelenke zu entdecken (Sakroiliitis). Im Röntgenbild der Wirbelsäule zeigen sich Knochenspangen, sog. Syndesmophyten, die die Wirbel überbrücken. Meist wird diese Diagnostik durch einen Rheumatologen oder rheumatologisch erfahrenen Orthopäden durchgeführt. Die Differentialdiagnosen der Spondylitis ankylosans umfassen vor allem andere sog. Spondylarthropathien, die im Rahmen einer Schuppenflechte (Psoriasisarthritis), einer Darmerkrankung (z.B. M. Crohn oder Colitis ulcerosa) nach Infektionen auftreten können (reaktive Arthritis, Reiter-Syndrom). Weiterhin können auch degenerative Veränderungen der Gelenke und Wirbelsäule eine ähnliche Symptomatik auslösen.

Symptome

Anfänglich macht sich die Erkrankung mit einem tief lokalisierten Kreuzschmerz und Steifigkeit des Rückens bemerkbar. Die Schmerzen nehmen langsam über Monate zu und sind morgendlich stärker ausgeprägt als in Bewegung. Es können auch Schmerzen in anderen Gelenken, z.B. in den Hüften oder den Schultern auftreten (sog. asymmetrische Oligoarthritis in 30% der Fälle). In ca. 20% sind auch die Augen in den Entzündungsprozess involviert (Regenbogenhautentzündung – Iritis). Auch entzündliche Veränderungen von Sehnenansätzen und Bändern (Enthesiopathie) sind häufig. Bei fortgeschrittener Erkrankung tritt eine zunehmende Bewegungseinschränkung der Wirbelsäule sowie der Gelenke ein.

Therapiemöglichkeiten

Ziel der Therapie ist vor allem die Reduktion des Entzündungsprozesses durch eine entsprechende Medikation. Die Medikamente dienen einer Schmerzreduktion und einer Reduktion des Voranschreitens der Krankheit. Dieses wird mit einer intensiven Krankengymnastik kombiniert, um die Einschränkung der Beweglichkeit der Wirbelsäule und ggf. der anderen Gelenke zu verhindern. Das Ziel der operativen Therapie besteht vor allem in Korrekturen der Verkrümmung der Wirbelsäule, um den Patienten die Fähigkeit geradeaus zu sehen zurückzugeben. Generell ist eine operative Therapie nur bei starker Verkrümmung der Wirbelsäule angezeigt. Dabei wird die Wirbelsäule gelockert und ein Teil eines Wirbels oder mehrerer Wirbel entfernt. Dabei hängt das Operationsverfahren von der Ausprägung der Krümmung ab. Die Wirbelsäule wird dabei durch Schrauben und Stäbe stabilisiert, so dass eine zügige Mobilisation des Patienten am ersten oder zweiten postoperativen Tag möglich wird. Eine Besonderheit dieser Erkrankung ist das hohe Risiko auch bei Bagatell-Unfällen schwere Brüche der Wirbelsäule zu erleiden. Dies begründet sich einerseits in der „Brüchigkeit“ der Wirbelsäule und andererseits an den langen Hebelarmen aufgrund der Verknöcherung der Wirbelsäule. Da diese Brüche fast immer instabil sind und auch später noch zu neurologischen Ausfällen führen können, sollten Patienten mit M. Bechterew auch nach kleineren Unfällen zur Sicherheit einen Arzt aufsuchen, um einen Bruch der Wirbelsäule ausschließen zu lassen. Sollte sich in der notwendigen Diagnostik ein Bruch bestätigen, ist häufig eine Operation angezeigt, um Schlimmeres, wie eine Kompression von Nervenwurzeln oder Rückenmark, zu verhindern und den Patienten schnell wieder auf die Beine zu bringen.

PD Dr. med. Christian Schäfer

Leitender Arzt der Klinik für Wirbelsäulenchirurgie

Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie

PD Dr. med. Malte Schröder

Oberarzt der Klinik für Wirbelsäulenchirurgie

Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, Sportmedizin

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